26. April bis 1. November 2026
Für die Marktgemeinde Nötsch stellten Anton Koligs kunstpädagogische Ambitionen von einer eigenen Malschule, die er hier in den 1920er Jahren realisieren konnte, einen wichtigen Aspekt für die überregionale Bedeutung dieser kleinen Ortschaft in Kärnten dar. Zu Koligs ersten Schülern zählte dabei der 1900 im böhmischen Königsgrätz geborene Theodor Herzmansky, der im Gailtal entscheidende Impulse für seine weitere künstlerische Laufbahn empfangen hatte und zeitlebens ein freundschaftliches Verhältnis zu den Protagonisten dieser Malergruppe unterhielt. Herzmanskys Erinnerungen an die Aufenthalte in Nötsch sowie seine Reflexionen über die Kunst Anton Koligs und Franz Wiegeles, die er in mehreren Aufsätzen publizierte, lieferten wertvolle Einblicke in die Kulturgeschichte des Nötscher Kreises. Nachdem Herzmansky Anton Kolig durch seinen Freund Wolfgang Schaukal kennengelernt hatte, verbrachte er ab 1921 immer wieder mehrere Monate im Gailtal. Wie sein Lehrer beschäftigte er sich in dieser Zeit intensiv mit dem männlichen Akt und entwickelte sein ausgeprägtes Farbempfinden weiter. Zusätzlich erhielt Herzmansky wesentliche Anregungen von Franz Wiegele, die sich vor allem in einer gezielten Lichtführung und einem spannungsvollen Einsatz von kalten und warmen Farben zur Raumschaffung äußerten. Darüber hinaus konnte er während seines Aufenthaltes in Paris 1926 Wiegeles verschollenes Gemälde „Akte im Wald“ ausfindig machen. Schließlich verlegte der Künstler 1929 seinen Lebensmittelpunkt nach Prag, änderte seinen Namen auf Bohdan Heřmanský und fand dort zu einem konstruktivistischen Stil, der an die tschechoslowakische Malerei der Zwischenkriegsjahre anschloss.
Kuratorin der Ausstellung: Sigrid Diewald